Martin in Peru - Teil I: Da, da, da

Hola, hola!

So, hier ein erster Gruss aus Südamerika. Ich bin also angekommen, zum ersten Mal auf diesem Kontinent. Es ist der Beginn meiner zweiten grossen Reise nach meiner Weltreise in 2002.

Das ich hier bin ist keine Selbstverstaendlichkeit. Nachdem die Vorbereitungen "ueberraschenderweise" bis zur letzten Minute gedauert haben und ich dann mit Taxi puenktlich den Bahnhof erreichte kam der Schock: der Zug wird wegen betriebsbedingter Gruende ersatzlos gestrichen! Okay, was nun, Taxi, MFG, naechsten Zug? Ein Glueck hatte ich kompetente Betreuung von Marlen von www.mexico-mio.de ueber welche ich meinen Flug buchte und von Hanka vor Ort in Berlin, welche mich in Tegel verbschiedete - mein Dank an euch! Ich entschied mich fuer warten auf den naechsten Zug. Der hatte 30 Minuten Verspaetung. Der Flug eventuell auch. Also in Berlin mit dem Taxi zum Flughafen. Rausgesprungen - ich durfte gerade noch einchecken. Der Flug hatte 1.45 Stunden Verspaetung.

Mein klimavertraegliches Jahresbudget habe ich mit dem Flug arg ueberstrapaziert, denn CO2 ist in der Hoehe ja besonders schaedlich. Meinen Beitrag fuer die Reparaturkosten habe ich ueber www.atmosfair.de geleistet, denn z.B. gibt es immer noch keine CO2 Abgabe auf Kerosin. Und Atmosfair fuehrt Klimaschutzprojekte nach dem sinnvollen Goldstandard durch, ist damit also sehr empehlenswert.

Meine Mitbewohnerin damals in Berlin war mit ihrem Freund damals nach Ankunft in Lima an der Bushaltestelle ausgeraubt worden. Angekommen und Rucksack weg, ist natuerlich sehr aegerlich. Also nahm ich ein schickes ueberteuertes Taxi direkt zum Hostal. Ich bin reich im Vergleich zu den Peruanern, denn das BIP/Kopf in Peru betraegt nur ein Zehntel von dem in Deutschland, daher ist solch Kriminalitaet verstaendlich. Ich hoffe natuerlich trotzdem, dass ich nicht ausgeraubt werde, also: Obacht geben, laenger leben!

Im Hostal nahm ich mir erst einmal ein Einzelzimmer und nach 11 Stunden Schlaf fuehle ich mich bedeutend frischer. Ich sass grad in einem Strassencafe und habe etwas gegessen, da kamen Strassenmusiker und haben auf Gitarre und Panfloete erst einmal "Stille Nacht" zum Besten gegeben und ich sitz da in T-Shirt und Sandalen, schon strange.

Heute will ich noch ein paar ausstehende Vorbereitungen abschliessen, moeglichst noch den Bus nach Cusco buchen und etwas Lima anschauen. Lima ist definitiv gross und laut. Ca. 8 Millionen leben hier, fast ein Drittel der Bevoelkerung. Es gibt hier eine grosse Landflucht und so ist Lima von Armenvierteln umringt. Ueberall hupt es und es herrscht ein geschaeftiges Treiben. Morgen oder spaetestens uebermorgen geht es fuer mich weiter. Ich will nach Cerro Azul an den Strand, nach Paracas, ueber Nasca nach Cusco, der alten Inkahautpstadt. Von dort will ich dann nach Machu Picchu, in den Jungel nach Puno und nach Arequipa in den Colca Canyon. Ueber den Titicacasee geht es dann Richtung La Paz.

Ich kann es noch nicht so fassen, aber ich freue mich riesig hier zu sein! Ich erwische mich oefters dabei, wie ich einfach grinse. Genau hier wollte ich zum Ende des Jahres sein und genau hier bin ich nun - grossartig!

Adios y Feliz Navidad!
Martin


Teil II: Das große Schlafen

Hola, que tal?

Nach der Euphorie folgt die Ernüchterung, zumindest war es bei mir so.

Am 24.12. gönnte ich mir ein gehobenes Essen im bekannten Restaurant Rosa Nautica (http://www.larosanautica.com/rn_intro_en.html). Beim anschließenden Rundgang durch die kolonial geprägte Altstadt von Lima atmete ich ungefähr so viele Abgase ein wie in Leipzig in einem ganzen Jahr. Lima ist ein Riesenstau. Abends fuhr ich dann nach Cerro Azul.

Am nächsten Morgen wachte ich auf durch superlauten TV von der Hotellobbyseite und den größten Softrockhits der 70er und 80er übertroffen durch Stöhngeräusche auf der anderen Seite. Was für ein Start in das Fest der Liebe! Der Landstreifen zwischen Anden und Küste ist eine Wüste, oft gibt es Küstennebel, so dass die Sonne nicht zu sehen ist. Das erfuhr ich bei meinem Strandlauf, bei welchem ich John traf, einen Iren, welcher seit 3 Jahren dort lebt und ein Gasprojekt aufbaut. Danach hatte ich Sonnenbrand, also nix mit Strandurlaub. Der Stand war abgesehen vom Müll, welcher überall rumliegt, toll, es flogen Pelikane, Komorane, es waren ganz viele orangene Krebse in Sandlöchern und einen toten Seelöwen gab es auch zu begutachten. In den Pazifik sprang ich natürlich auch. Die Wellen waren ordentlich und es waren auch viele Sufer unterwegs.

Am nächsten Tag ging es für mich weiter nach Pisco. Dort in der Nähe besichtigte ich die wichtigste Inkastätte an der Küste, Tambo Colorado. Und am nächsten Tag unternahm ich meinen ersten Gruppenausflug per Boot zu den Islas Ballestas (Naturschutzgebiet) und zur Halbinsel Paracas. Auf den Ballestas gibt es eine große Seelöwen Kolonie, ist schon cool wie auch unterwegs ab und an so ein beobachtender Kopf aus dem Wasser schaut. Zudem gab es da auch Pinguine und natürlich Pelikane, Komorane und wirklich Unmengen von anderen Vögeln. So viele auf einmal habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Auf Paracas haben wir Flamingos gesehen, welche soz. auf dem Durchflug waren. Der Pisco Sour ist so etwas wie das Nationalgetränk hier. Abends trank ich es mit zwei Kolumbianern und einem Deutschen.

Ich esse gerade Coca Kekse, ich habe auch schon Coca Blätter, denn sie sollen in der Höhe (Cusco liegt auf 4000 Meter) helfen und ich habe das Gefühl, dass ich als alter Flachländer da oben so meine Probleme bekomme. Bislang war ich nur an der Küste auf der Panamericana (http://de.wikipedia.org/wiki/Panamericana) so etwas wie eine Lebensader unterwegs und werde darauf wohl auch noch bis Arequipa unterwegs sein, um mich langsamer der Höhe anzunähern.

Jetzt noch etwas zu bestimmten Themen:

Fußball
Ist hier sehr beliebt. Wenn die Nationalmannschaft spielt sind das wohl die einzigen Momente, wo das öffentliche Leben zum erliegen kommt. Im Hostal in Lima verbrachte ich den Abend mit ein paar Locals, welche sich alle von einer deutschen Schule kannten. Die kannten natürlich alle Peruaner in der Bundesliga (Pizarro, Guerrero, Farfan, Zambrano) und konnten mir auch sagen, dass Guerrero zu Manchester City wechseln wird und Zambrano seit neusten Stammspieler bei Schalke ist, was selbst ich nicht wusste...

Weihnachten
Also in Weihnachtsstimmung kam ich nicht. Weihnachten ist hier nach meinen Eindrücken eher ein Kinderfest, vor dem Präsidentenpalast trat zum Beispiel ein Clown mit Konsorten zusammen mit dem Weihnachtsmann zu Mitmachtänzen auf. Weiter ist es sehr kitschig, Hauptsache bunt, leuchtend und blinkend. Selbst in der Kirche blinkt es und ertönt zum aufgebauten Krippe billige Weihnachtskartenmusik. In Cerro Azul gab es auf dem Marktplatz abends ein Fest für das Dorf. Dort wurde auch fleißig geblitzknallt.

Verkehr
Wie schon erwähnt unglaublich. Die letzte Ampel habe ich in Lima gesehen. Blinken tut hier niemand und eine Vorfahrtsregel gibt es glaube ich nicht, naja doch, wer zuerst hupt an einer Kreuzung hat Vorfahrt. Ich finde den Straßenverkehr extrem stressig so ohne unsere gute alte StVO. Interessanterweise habe ich noch keinen Unfall gesehen, auch wenn es oft schon sehr knapp war aber das ist hier normal. Es gibt auch keinen ÖPNV so wie wir ihn kennen. Es gibt überall so Kleinbusse und dreirädrige Zwei-Personen-Taxis, welche andauernd ohne irgendwelche Abfahrtszeiten herumfahren. Daher will auch ständig wer einen mitnehmen und natürlich wird auch dafür wieder gehupt.

Lärm
Den Straßenlärm habe ich ja bereits beschrieben. Dazu kommt eine Lärmunempfindlichkeit. Musik, TV alles ist hier so laut, dass es fast schon weh tut und das sage ich als jemand, der gerne laut Musik hört. Dementsprechend wird dann auch nicht so viel Rücksicht auf Mitmenschen genommen, z.B. ob man damit jemand beim schlafen stören könnte, s.o. Silencio is also nich! Ich freue mich schon auf mein Hinterhaus... Aber Mensch kann sich ja gewöhnen und so habe ich die letzten beiden Nächte zum ersten Mal ohne Ohrstöpsel geschlafen, ich wohne aber gerade auch an einer kleinen Fußgängerzone.

Essen

Mit dem Essen habe ich hier so meine Schwierigkeiten. Es gibt ganz viel Junk, an Getränken ganz viel Limos und dazu viele Süßigkeiten. Ansonsten gibt es hauptsächlich Fisch, ist halt das Billigste und leicht verfügbar. Die mittelgute Pizza, welche ich das eine Mal gegessen habe, war da schon ein Ereignis. Ich habe aber noch nicht einmal im bekannten Sinne Frühstück oder Abendbrot gegessen. An Straßenständen soll man als Europäer nichts essen, weil dort alles offen ist. Macht zusammen abgenommen.

Armut & Umwelt
Ich glaube Peru besitzt Reichtum, es ist aber viel Armut sichtbar. Viele Menschen leben in einfachsten ebenerdigen Betonbehausungen. Davon gibt es unendlich viele, welche sich auch inoffiziellerweise immer mehr ausbreiten, z.B. um Lima. Da es wohl kein Arbeitslosengeld o.ä. gibt, schauen die Menschen halt wie sie über die Runden kommen. Es gibt wohl ca. 1,5 Millionen fliegende Händler, welche versuchen irgendetwas an die Person zu bringen. Man wird also ständig angesprochen. Viele von den Landflüchtlingen haben wohl ihre Subsistenzwirtschaft aufgegeben in der Hoffnung im wachsenden Kapitalismus der Städte ihr Glück zu finden. Nach meinem Eindruck sind die Leute auch scharf auf die Produkte vom Kapitalismus. Und der Umgang mit dem Verpackungsmüll ist auch recht sorglos. Ein Flaschenrücknahmesystem oder Mülltrennung gibt es nicht. Hier in der Küstenwüste ergibt sich durch Staub (kein Regen), Müll und unzähligen Bauschutthügelchen, den meist von drei Seiten unverputzten Behausungen und unbefestigten Straßen ein nicht sehr ansehnliches Bild. Ich habe auch noch kein Theater, kein Musikhaus, kein Kino oder andere kulturelle Einrichtungen gesehen. Es gibt auch in Peru eine Partnerorganisation vom weltweit größten Umweltschutznetzwerk Friends Of The Earth International (www.foei.org), wo der BUND der deutsche Vertreter ist. Es werden umweltpädagogische Programme und Agenda21 Projekte in Zusammenarbeit mit Kommunen umgesetzt.

Also insgesamt ging es bisher nur langsam voran und ich komme mir wie ein Einsiedler vor. Nächstes Mal bin ich hoffentlich wieder gesund und dann habe ich auch nicht mehr so viel Zeit für den Bericht.

Feliz Ano Nuevo!
Martin


Teil III: Höhentrainingslager

Buenas tardes!

Vorwech: Mir geht es dieses Jahr gut und ich bin gesund. Wie ich erfuhr war in Pisco 2007 ein großes Erdbeben, so dass die Kombination zerstörte Stadt und Kranksein nicht die mit den meisten Glückshormonen war. Dennoch, umso weiter ich von Lima wegkomme, umso schöner wird es. Aber der Reihe nach…

Nachdem ich mich Silvester für gesund erklärte, überlegte ich was ich dann tolles machen kann und da ich Silvester noch nie in einer Oase gefeiert hatte und auch noch nie in einer war machte ich mich auf in die Huacachina Oase. Aber der noch viel größere Grund war das Sandboarding.

Im Überschwang buchte ich mich dann auch gleich auf eine Buggy Tour ein, man will ja schließlich nicht die Sanddünen hochlaufen. Doch als ich den Buggy sah und
die Gurte sah ahnte ich schon Schlimmes. Mit Sand, Benzin und Wüstenwind im
Gesicht ging es auf eine Achterbahnfahrt durch die Sanddünen. Gerade ich als
wahrer Downhillfetischist freute mich, wenn auf einmal die Düne endet, man nur noch Himmel sieht, der Buggy kippt, sich der Abgrund auftut und
aaaaaaaaaarrrrrrrrrrgggggggggggghhhhhhhhhhhhhhh. Nun ja, ich überstand es
irgendwie und das Sandboarding auf eine Art Snowboard (ich auf dem Bauch mit
dem Kopf voraus) und der Sonnenuntergang entschädigte. Die letzt Düne war so
hoch, die Menschen unten sahen schon klein aus.

Silvester gab es dann in einem Hostel mit Pool in der Mitte und abgefahrenen Backpackern und Locals. Ich wundere mich, dass die Oase noch nicht zugeweht
wurde, denn links und rechts türmen sich riesige Dünen auf. Sehr cooler Spot.
Es waren auch nette Leute dort, so dass ich 3 Tage blieb – hey, it’s holiday! Der Erholungsteil war nach zwei Wochen vorbei.

Weiter bin ich dann nach Nazca, um dort die Geoglyphen (Lines) zu sehen. Die Lines sind mysteriöse, in den Wüstenboden verewigte Figuren und Linien.
Wofür, wozu, weshalb, man streitet drüber. Auf jeden Fall sensationell, also anschauen. Auch hier wieder nichts für unruhige Mägen, denn am besten sieht man sie aus der Luft, d.h. zu sechst in eine kleine Propellermaschine und schön Kurven um die Figuren fliegen. Dringende Empfehlung war, nicht durch die Kamera zu schauen. Ein Glück hatte ich kaum gefrühstückt. Meistens schaute ich nur aus meiner Seite aus dem Fenster.

Da ich durch Krankheit und Oase so langsam aber sicher in Zeitdruck geriet, ging es dann direkt nach Cusco, der alten Inkahauptstadt, der Nabel der Welt in den Anden auf über 3.000 Meter Höhe. Dafür nahm ich von Nazca den Nachtbus, welcher für die ca. 600 km 15 Stunden benötigte, also ca. 40 km/h.

Es ging eigentlich die ganze Zeit nur Serpentinen rauf und runter, höchster
Punkt so bei 4.400 Meter. Vorher hatte ich mir schon Coca Blätter und Bicarbonat besorgt, dass schön in die Backe gesteckt und auf die Wirkung gehofft. Diverse Leute im Bus mussten eine Tüte füllen. Ich kam gut an und hatte auch keine Nachwehen. Die Luft ist schon dünne, wenn man ein paar Treppen steigt, wovon es hier reichlich gibt, bin ich ganz schön am pumpen. Ein Fischkopf in den Bergen.

Vorgestern bin ich angekommen und habe mittlerweile hoffentlich ein paar mehr rote Blutkörperchen, zurück aus dem Höhentrainingslager komme ich dann fit wie ein Turnschuh.

Cusco ist wirklich schön, man hat diverse Inkamauerreste, welche den Erdbeben über die Jahrhunderte besser Stand gehalten haben als die kolonialen spanischen Mauern. Wie das schöne Wismar ist es auch Weltkulturerbe. Was wirklich toll ist, dass die Stadt Flair hat, viele schmale Gassen (natürlich ist man hier als Fußgänger auf den sehr schmalen Bürgersteigen gefährdet), noch mehr Treppen, Balkone und Arkaden. Die Touristen sind hier natürlich inkageil. Ich habe heute ein paar Inkaruinen in der Umgebung angeschaut.

Und dann!, morgen geht es für 8 Tage in den Regenwald, Manu National Park!!!

Adios amigos,
Martin


Teil IV: Jungle Boogie

Buenas noches!

Frisch gestärkt mit Alpakabraten im Wanst ging es für eine 8-Tages-Tour in den Jungle. Das heißt, wir bewegten uns von Cusco aus über einen 4.000er bis runter auf ca. 250 Meter im Manú Biosphärenreservat.
 
Dabei waren der Guide, ein Fahrer, ein Koch, 2 Bootsleute und 4 Teilnehmer und Gummistiefel in denen wir uns meistens fortbewegten. Es war die teuerste Tour, welche ich jemals gemacht habe und es hat sich sehr gelohnt. Ich hatte zwar in Australien schon einige Regenwalderfahrungen gemacht, aber das war schon ein anderes Kaliber. Alleine ist das Unterfangen ziemlich unmöglich. Zugang gibt es nur über eine sich durch die Anden ziehende Schotterpiste mit "atemberaubender" Qualität. Am Eingang des Parkes steht dann eine Polizeikontrolle, welche die Ausfuhr von Kokablättern überwacht. Der Tag endet und die Straße ist zu Ende und wir sind um 4.30 Uhr aufgebrochen. Überhaupt habe ich hier wieder gelernt früh aufzustehen. Heute früh klingelte der Wecker um 3.30 Uhr, man muss sich halt schon nach den Tieren richten und die sind wie der heutige Andenklippenvogel (Nationaltier von Peru) nicht unbedingt tagaktiv, zumindest balztanzt er früh morgens. Am zweiten Tag ging es dann den (Alto) Madre de Dios hinunter, welcher später dann in den Amazonas mündet. Die Infrastruktur besteht hier nur noch aus Trampelpfaden und Fluss. Von hier an gibt es also tausende Kilometer Regenwald. Abends erreichten wir damit unsere Lodge, wo wir 4 Mal nächtigten. Anschließend ging es denselben Weg wieder zurück. Die Luft wurde für mich auf der Rücktour doch recht dünn, so dass ich die Kokabacke Abhilfe schaffen musste. Bei diesen Bedingungen hier in Peru habe ich elender Optimist auch noch Laufschuhe mit - man trägt ja gern.

Zur Beschreibung der Region:
Manu liegt im peruanischen Teil des Amazonasbeckens und ist eine der wenigen grossen Wildnisse der Welt, in der die Flora und Fauna noch ungestört und zahlreich ist.
Das Manu Biosphären Reservat stellt Tropisches Alpines Grassland (Puna), Elfen- und Nebelwald, Hohen Regenwald und Tieflandsregenwald unter Schutz. In diesen verschiedenen Ökosystemen findet sich eine ungewöhnlich hohe Artenfielfalt.
Bisher sind 15.000 Pflanzenarten, über 1000 Vogelarten und 200 Säugetierarten in Manu bestimmt worden.
Nach den Erkenntnissen von Biologen ist kein anderes Regenwaldschutzgebiet mit Manus Biodiversität (40 % Vogelarten mehr als im brasilianischen Amazonasgebiet) und den Gelegenheiten zur Wildtierbeobachtung, insbesondere an den Säugetier- und Ara- Salzlecken, zu vergleichen.
Manu ist entlegen, von der Zivilisation entfernt und dünn besiedelt, was Manu von anderen Urwaldzielen wie z.B. Pto. Maldonado unterscheidet. Einige der indigenen Völker in Manu haben noch keinen Kontakt zur Zivilisation.
Einige Vogelarten sind hier endemisch , so z.B. White tufted Sunbeam( Aglaeactis castelnaudii), Red and white Antpitta (Grallaria erythroleuca), Puna Thistletail (Schizoeaca h. helleri) und White cheeked Tody Tyrant (Poecilotriccus albifacies).
Kein anderes Gebiet in Amerika bietet so hervorragende Bedingungen zum Beobachten seltener oder schwer zu beobachtender Tiere wie Manu.

Neben mir waren noch zwei Deutsche, Beate und Walter ein 73jähriger Jude. Walter ist echt der Hammer. Eigentlich ist er Engländer, seit ein paar Jahren aber Witwer und nach Frankreich gezogen. Seine Kinder leben in den USA und er tingelt fröhlich durch die Weltgeschichte und war letztens in der Antarktis baden. Mit ihm und Beate hatte ich viel Spaß. Mit 73 möchte ich auch gerne so aktiv sein. Walters Erfolgsgeheimnis: Hiking, der Heiß-Kalt-Wechsel (Sauna) und positives Denken. Nun gut, Dank Walter weiß ich jetzt auch, dass Deutschland die am schnellsten wachsende jüdische Gemeinde weltweit hat. Nach 3 Reiseschachpartien steht es zwischen uns 2:1 für mich.

So, was haben wir da nun gemacht? Kurz gesagt wir waren immer im Urwald, viel Primärwald, unterwegs, haben uns Bäume und Pflanzen angesehen und nach Tieren Ausschau gehalten und auf der Lauer gelegen. Wir sind im hellen wie im dunkeln durch den Wald, haben auf Plattformen an Lehmlecken (offenen Lehmlöcher oder Wände, wo Tiere Mineralien beziehen, Sittiche und Papageien zum Beispiel um die giftigen Blätter und Früchte, welche sie gefressen haben, zu neutralisieren) gewartet, sind einen 500 Jahre alten Baum mittels Aussichtsturm bestiegen, Indianerdorf besucht, sind mit hölzernen Katamaranen Seen befahren und ich habe bei der Floßfahrt nebenbei noch das gondolieren gelernt. Wir haben diverse Affenarten, unzählige Vogelarten, Schlangen, Tarantulas, Jaguarspuren, Riesenotter, Insekten, Frösche und vieles mehr gesehen. Die Highlights waren für mich die abendliche Bootstour im Dunkeln, wo wir uns Kaimanen (Krokodile) bis auf einen halben Meter genährt haben; der Tapir, welchen wir nachts von einer Beobachtungsplattform an der Claylecke gesehen haben; Pancho der Tapir auf der Rückfahrt, welcher früher mal Haustier war und mittlerweile in den Wald ausgewandert ist und die Lodge ab und an besuchen kommtund das Tropenfußballspiel zwischen der Crew und den Reisenden, also Lateinamerika gegen Europa. Einen Fußballplatz gibt es selbst in jeder Urwaldsiedlung, auch wenn die Tore nicht unbedingt rechtwinklig sind. Das Feld dort war wegen zu hohen Wasserstandes nicht zu erreichen, so haben wir kurzerhand zwischen den Hütten gespielt. Dazu wurde noch ein Baumstumpf eliminiert, ein anderer nicht eliminierbarer wurde gekennzeichnet und los ging das Spiel um die Ecke mit Walter im Tor. Die Peruaner waren erwartungsgemäß technisch gewandt, doch in Sachen Lautstärke und Abschlussstärke (ich möchte jetzt keine Namen nennen) waren sie den Mitteleuropäern nicht gewachsen. Nach 3 Niederlagen für sie gab es Dinner.

Meine 3 Einsichten durch meine dortigen Erfahrungen, Wissen oder erlerntes erfahren macht einen Unterschied:

- Es ist paradox, trotz soviel Biomasse, soviel Artenreichtum ist der Boden wenig wertvoll. Es gibt nur eine dünne Humusschicht, weshalb die Bäume auch nur flache Wurzeln haben. Die Nährstoffe befinden sich oberhalb auf dem Boden, in den Bäumen und Pflanzen.

- Wenn der Wald in der Annahme für ertragreiche Bewirtschaftung gerodet oder abgebrannt wird, sind auch die Nährstoffe verschwunden, der Boden nach 3-4 Jahren nicht mehr ertragreich, so dass weiter gerodet werden muss. Die Bodenoberfläche kann hart wie Zement werden, es wächst stupides Grass und es dauert sehr lange, bis andere Pioniergewächse sich das Terrain erobern. Auch die Rodung wegen wertvollen Holz ist katastrophal, weil diese Bäume nicht dicht an dicht stehen und um an sie heranzukommen, muss alles andere auch vernichtet werden mit den dann o.g. Effekten. Die Entstehung eines Primärwaldes mit edlen Hölzern dauert 100 Jahre.

- Die Tiere haben alle Angst vorm Menschen. Das war für mich persönlich wichtig zu wissen, dass man nicht gleich von Jaguar, Puma, Schlange oder Kaiman verspeist wird. Der Mensch ist groß, durch jagen lehrt der Mensch das Fürchten und die Tiere sind gewohnt auf der Hut zu sein um nicht selber gefressen zu werden. D.h. sie nehmen reiß aus, verstecken sich, bleiben auf Distanz. Ich würde gerne wissen, von welchen Tieren wir alles beobachtet worden sind ohne sie zu sehen. Andererseits zeigt es auch, wie durch Lautstärke, Bautätigkeit und einfache Präsenz des Menschen die Lebensräume beschnitten werden und einzelne Arten immer mehr unter Druck geraten, vom Aussterben bedroht werden, um letztlich womöglich auszusterben. Zum Schutz von Lebensräumen wie im Manú Nationalpark gibt es wohl keine Alternative, denn schon ist da eine kleine Bananenplantage und da die nächste Urwaldlodge. Der Prozess ist schleichend und scheinbar unaufhörlich.

Die Luftfeuchtigkeit dort ist aktuell so zwischen 70-80%. Für mich hatte das zwei Effekte a) war ich fleißig am vor mich hin transpirieren und b) war ich sehr müde trotz ausreichend Schlaf und Mittagsruhe. Für den nächsten Erholungsurlaub sollte ich am Besten in den tropischen Regenwald fahren: saubere Luft, viel Schlaf, schöne Spaziergänge und spannende Tierwelt  ;-)

Mit Malaria hatte ich noch so meine Bedenken und dachte immer mich darf nicht eine Mücke stechen. Zum einen ist in Manú die Wahrscheinlichkeit nicht so groß, zum anderen war ich positiv überrascht wie relativ wenig Moskitos es gab und nochmals zum anderen durfte ich auch hier Gelassenheit lernen. Man kann zwar gute Vorsorge treffen, aber es gibt keinen 100%igen Schutz und so bin ich mit meinen ca. 25-30 Stichen recht zufrieden. Ich lief bei dem Klima immer langärmlig, langbeinig, mit Hut und Tuch herum. Die Betten waren alle mit Moskitonetzen ausgestattet und auch Fenster und Türen mit solchen versehen. Eine Nacht hatte ich in meinem Zimmer einen Apfel liegen gelassen. Am nächsten morgen sind wir ohne Frühstück los und ich freute mich schon auf meinen Apfel, fand ihn aber halb abgegessen vor. Da muss sich zwischen Moskitonetzwand und Dach noch ein Opossum eingeschlichen haben. Na, ein Glück bin ich davon nicht aufgewacht.

Morgen geht es dann zur 3tages Tour zu Machu Picchu (Walter ist dabei!), falls die Regenzeit nicht ihren Tribut fordert.

Naja, mit quick note war es dann mal wieder nix, aber ich hoffe ihr findet Gefallen am herausgesprudelten?!

Hasta luego,
Gringo Martín


Buenos dias!

Hier kommt mein letzter Gruß aus Südamerika, mittlerweile Bolivien.

Aus dem Jungle am Vortag von ca. 500 Meter Höhe bis nach Cusco aufgestiegen, ging es auf eine 3tägige Tour zum Machu Picchu der berühmten und sagenumwobenen Stadt der Inkas. Ursprünglich wollte ich gerne den sog. Inkatrail bewältigen, welcher auf 500 Leute am Tag limitiert ist. Bei meinem spontanen Versuch einen Platz zu ergattern hatte ich Pech, also machte ich eine 2-Tages-Tour durch die Anden bei Cusco, denn Inkaruinen gibt es praktisch überall (ich habe so an die 10 besichtigt). Mit Walter, einem Australier und mir waren wir zu dritt, plus Pferde(-leute) für den Transport, denn es ging bis auf 4.300 Meter (die Zugspitze hat knapp 3.000 Meter). So hoch war ich noch nie in meinem Leben, außer im Flugzeug natürlich. Leider zeigte uns die Regenzeit, warum sie Regenzeit heißt, zudem gab es kein Lunch und offenbar war für mich die Umstellung von den tropischen 500 Höhenmetern doch etwas schnell. Mental setzte mir die Salamitaktik vom Guide zu, dass es ja gleich da vorne war und dann nur noch 30 Minuten und von da bis zum nächsten Gipfel, irgendwann war dann der Vorhang zu. Das Ergebnis: ich taumelte abgeschlagen ohne Energie, mit heißem Kopf und Kopfschmerzen den 4.300 Metern entgegen. Das schöne Panorama interessierte mich nun überhaupt nicht mehr, sondern viel mehr die Frage, wie ich hier heil wieder runterkomme. Die letzten 500 Meter downhill absolvierte ich dann auf einem Pferd. Das hatte den positiven Nebeneffekt, dass es nicht so wie 2002 in Australien, wo ich das letzte Mal auf einem Pferd saß, mit mir durchgegangen ist und ich um mein Leben schrie. So kann ich jetzt als letzte Pferdeerfahrung eine Positive vorweisen. Im Camp angekommen durfte ich mich übergeben und damit war als Endstation die Diagnose Höhenkrankheit perfekt. Nach abendbrotlosen 12 Stunden im Schlafsack auf 4.000 Meter ging es mir tatsächlich wieder besser. Wir hatten super Wetter (das Wetter wechselt unglaublich schnell, manchmal fragte ich mich, warum ich nass werde, wenn über mir die Sonne scheint), einen super Trail und schöne Landschaft.

Mit dem Zug ging es dann weiter nach Machu Picchu, dort ist Endstation. Es gibt keine Straße dorthin. Alle wollen früh oben sein, um nicht zu viele Touristen zu haben und sich ggf. für den Aufstieg für den Wayna Picchu (den Berg, den man immer auf den Fotos sieht, 400 Plätze max.) registrieren zu lassen. Das Ergebnis ist, dass es vormittags voller ist als nachmittags. Da unser Zug nachmittags fuhr hatten wir keine Chance und waren mittendrin. Letztes Jahr waren 1,5 Millionen auf Machu Picchu. Trotzdem wir 4.45 Uhr losgegangen sind und einen der ersten Busse den Berg hinauf nahmen, war die Schlange schon ein paar hundert Meter lang und die Liste für den Wayna Picchu voll. Es gibt auch eine Lodge direkt am Eingang, das Zimmer mit Panoramablick kostet 1.300 Dollar!!! Bis auf Nebel hat man anfangs auch nicht viel gesehen, was normal ist für die Regenzeit. Die Stätte selbst ist natürlich beeindruckend, Wahnsinnsarbeit die die Inkas da haben vornehmen lassen (ca. 200.000 Inkas herrschten über 9 Millionen Leute). Walter und ich hatten dann doch noch Glück und ergatterten Restplätze für den Aufstieg auf Wayna Picchu, von Leuten die nicht gegangen sind. Aufstieg bedeutet noch einmal 300 Höhenmeter inkl. durch einen Tunnel krabbeln. Ich habe natürlich nach Walter geschaut und wir brauchten 80 Minuten. Walter war gewiss der Älteste an diesem Tag da oben. Die Aussicht von dort ist wirklich atemberaubend, Täler und Berge so weit das Auge reicht. Aufgrund der Nähe zum Regenwald, gibt es dort oben auch noch Jungle. Insgesamt hatten wir aber zu wenig Zeit, einwirken lassen war nur schwer möglich.

Nun musste ich mich etwas beeilen. Ich nahm am nächsten Tag den Bus nach Puno am Titicacasee. In Puno hatte ich dann das kurioseste Hostalzimmer. Nachdem ich nicht viel sehen konnte, weil Licht nur durch 6 Glasbausteine im Bad drang, bemerkte ich morgens das ich in Harry Potter Bettwäsche geschlafen (man sagt er habe magische Träume). Die Dusche war wie so oft nur kalt und der Duschvorhang rosa, pink, selbst die Duschvorhangsringe waren rosatextilmäßig ummantelt - meine Lieblingsfarbe. Ich machte von Puno aus eine schöne Bootstour zu den Schilfinseln der Uros. Das sind Leute, welche sich künstliche Inseln aus Schilf bauen und darauf leben. Es gibt ungefähr 40 Inseln mit 2.000 Leuten drauf. Sehr im Einklang mit der Natur und eine sehr nachhaltige Lebensweise.
Eigentlich sollte an dem Tag Streik sein, da der Benzinpreis um 1 Sol angehoben wurde, aber so gut organisiert war dieser nicht, so dass Puno meine Endstation in Peru wurde und ich Bolivien betreten konnte. Der Ort in mitten des Titicacasees heißt Copacabana und war Namensgeber für den berühmten Strand in Rio. Von dort besuchte ich gestern die Isla del Sol (Ursprung der Inkas, deren Sage nach) für eine schöne Wanderung. Die Herkunft des Namens Titicaca, ursprünglich eine Bezeichnung für die Sonneninsel, soll auf zwei Aymara-Wörtern beruhen: titi heißt "Große Katze" oder "Puma" und kaka heißt "grau". Es ist der höchste schiffbare See der Erde und 15 Mal größer als der Bodensee.

Gestern Abend ging es dann noch nach La Paz, der Endstation meiner Reise in Südamerika. Hier sitz ich nun schreibe und will nachher noch dem Evo (Morales d. Red.) winken gehen und über den Hexenmarkt schlendern. Um 6 Uhr geht mein Flieger vom höchsten - über 4.000 Meter - Zivilflughafen der Welt (die Flugzeuge brauchen hier 5 km zum starten oder landen) über Lima und Madrid nach Berlin.

Die letzten Wochen waren aufregend und schnelllebig.
Ich habe hier spannende und abwechslungsreiche 4,5 Wochen erlebt, welche erholsam, anstrengend, überraschend, spontan, manchmal einsam, oft gesellig und mit vielen neuen Eindrücken behaftet waren. Ich hätte gerne noch mehr gesehen, aber ich bin sehr zufrieden, I did it my way. Ein schönes Stück Leben. Ich bin auf jeden Fall auf andere Gedanken gekommen und fühle mich selbstbelohnt für das Jahr 2009.
Peru ist auf jeden Fall eine Reise wert, touristisch (zu) gut erschlossen. Gemütlichkeit darf man jedoch keine erwarten. Vielleicht habe ich ja jemanden auf den Geschmack gebracht.

Adios Amigos und bis zum nächsten Mal,
Euer Martin


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