Reise nach Peru (Norden & Regenwald) und Ecuador

Nach zwei Jahren des Sparens, Wartens und der Vorfreude stiegen wir Anfang August 2011 endlich wieder in den komfortablen Langstreckenflieger der Lufthansa um nach Lima zu fliegen. Vor uns lagen 2,5 Wochen Familienurlaub in Lima, 2,5 Wochen Rundreise in den Norden Peru's (einschließlich Iquitos) und schließlich ein einwöchiger Abstecher nach Ecuador.

Die Tour in den peruanischen Regenwald und in den Norden Peru's war nicht nur für uns persönlich eine wunderbare Erfahrung, sondern wird mir als Mitarbeiterin bei MIO TOURS auch bei der Planung von Reisen und bei der individuellen Beratung unserer Kunden, die dieses herrliche Fleckchen Erde kennen lernen möchten, sehr helfen.

Lima

Unser Flug nach Lima wurde in letzter Minute noch umgebucht und so flogen wir zunächst von Frankfurt nach München und erst dort stiegen wir in den Langstreckenflieger nach Sao Paolo in Brasilien. Von Brasilien hatten wir einen spektakulären Flug: die Sonne strahlte, kein Wölkchen am Himmel, und so sahen wir den brasilianischen und bolivianischen Regenwald, La Paz in den Anden, den blauen Titicaca See sowie schneebedeckte Andengipfel und tiefe Canyons in Peru. Der perfekte Start in den Urlaub! Erst kurz vor der Landung in Lima tauchten wir in das "Nebelmeer" ein, aus dem wie 2 1/2 Wochen nicht mehr auftauchen sollten.

Schon bei meinem letzten Aufenthalt in Lima konnte ich der Millionenstadt "etwas abgewinnen". Auch diesmal hatten wir die Chance, die Großstadt von ihrer schönen Seite kennen zu lernen. Schon der morgendliche Verkehr auf unserer Fahrt vom Flughafen zu meinen Schwiegereltern in Chorillos war weniger chaotisch. Viele der kleinen "Kombis" wurden von den Straßen verbannt. Dafür fährt der neue Schnellbus "Metropolitano", ab nun mein liebstes Fortbewegungsmittel in Lima. Inmitten des Verkehrschaos' sitzt man in einer "Ruheinsel". Der Verkehr umtost einen von allen Seiten, aber man fährt auf der Extra-Bus-Spur schnell und ungestört zum Ziel.
Aufgepasst - der Metropolitano fährt derzeit auf der Nord-Süd-Achse durch Lima und kommt dabei auch durch die koloniale Altstadt, Miraflores und Barranco. Wer also auf eigene Faust in Lima unterwegs ist, kann sich die Metropolitano-Chipkarte kaufen und dann für unschagbare S/. 1,50 (also ca. 50 Euro-Cents) selbstständig zwischen den drei Stadtvierteln pendeln.

Mit den schönen Seiten Limas meine ich zum Beispiel auch die Huaca Pucllana, die ich bei meinem letzten Besuch "links liegen" lassen hatte. Inmitten des modernen Stadtteils Miraflores erhebt sich diese Lehmziegelpyramide. Unser Guide erklärte uns, dass sie "antisísmico" (also erdbebenfest) gebaut sei. Kein Wunder, dass Sie nach mehr als 1.500 Jahren immer noch steht.

Nicht unbedingt "schön" im klassischen Sinne, aber dafür interessant bis abenteuerlich war der Besuch eines Verwandten im Stadtteil Puente Piedra. Die Fahrt zwischen Chorillos und dem bald äußersten Norden Lima's dauerte geschlagene 2,5 h, auf der Hinfahrt im Metropolitano, Zubringer und Taxi sehr komfortabel, auf dem Rückweg im Linienbus eine Horrorfahrt, denn scheinbar hatte der Busfahrer Verspätung und drückte das Gaspedal runter...
Puente Piedra ist fast schon eine Randregion von Lima. Hier siedeln sich gerade Neuankömmlinge in kleinen Hüttchen an den kahlen "Cerros" (Berge) an. Die Straßen zu den neuen Siedlungen sind noch unbefestigte Geröllpisten. Wir wurden bei unserem Spaziergang auf einen der Cerros von einer Familie, die gerade erst aus dem peruanischen Regenwald nach Lima gezogen war, mit großen Augen angestarrt.

Ein unvergessliches Erlebnis war die Taufe meines Patenkindes Ricardo. In der katholischen Kirche wurden die Eltern und zukünftigen Paten (meine Schwiegrmutti vertrat mich, weil ich nicht getauft bin) einem strengen, schriftlichen Test unterzogen und danach ermahnt, die Bibel und den Katechismus öfter zu lesen. Nach der Taufe in der Kirche kam ein großer Teil der Familie zu meinen Schwiegereltern und nach einem köstlichen "Pollo a la brasa" wurde das Tanzbein bis frühs um 3 Uhr geschwungen. Bier und Pisco Sour flossen reichlich...

Nach zwei Wochen kam der Rest unserer "Reisegruppe" in Lima an. Zusammen wurde unter anderem noch das Museo Larco mit einer Vielzahl an kunstvollen Keramiken aus der prä-Inka-Zeit besucht. Außerdem gab es ein Erdbeben (wir merkten es nicht, denn wir saßen gerade im Auto), das am darauf folgenden Tag für einen strahlend blauen Himmel sorgte. Normalerweise ist ja der Himmel in Lima im peruanischen Winter jeden Tag grau, was schon den peruanischen Dichter Cesár Vallejo zu trauriger Lyrik inspirierte...

Und dann war unsere Zeit in Lima auch schon vorbei und wir begannen unsere Peru Rundreise mit dem Flug von Lima nach Iquitos.

Iquitos

Unser Flug von Lima nach Iquitos hatten wir für den 27.8.2011 bei Peruvian Airlines gebucht. Am Vorabend durchfuhr uns noch ein Schreck, als wir lasen, dass Peruvian Airlines ein vorübergehendes Flugverbot erhalten hatte. Es hatte dieses Jahr wohl schon zwei Vorfälle gegeben und das Unternehmen musste alle Flugzeuge durchchecken. Aber das Flugverbot war scheinbar nicht so streng, denn unser Flug sollte planmäßig stattfinden. Wir mussten nur 1,5 h auf den Abflug warten, denn in Iquitos gab es noch starken Regen. Aber nachdem ich jetzt das Buch von Juliane Köpcke "Als ich vom Himmel fiel" über Ihren Flugzeugabsturz im peruanischen Regenwald gelesen habe, werde ich auch in Zukunft immer lieber viel Geduld mitbringen und nicht bei Unwetter in ein Flugzeug steigen...
In Iquitos erwarteten uns "kühle Temperaturen" um die 25°C. Normalerweise übersteigt das Thermometer in der Trockenzeit jeden Tag die 30°C-Marke. Vom Flughafen ging es schnurstracks zum Bootsanleger. Der Verkehr in Iquitos wird von den knatternden Mototaxis bestimmt, Autos sieht man eher selten.
Der Verkehr im Regenwald spielt sich sowieso eher auf dem Wasser ab. Um zu unserer Lodge zu kommen, sollten wir die nächsten +/- 2 h auf dem dröhnenden Motorboot zubringen. Schon waren unsere schweren Koffer ins Boot geladen, wir fuhren durch das Stadtviertel Belen mit seinen schwimmenden Häusern ... und dann lag der mächtige Amazonas vor uns! Für uns ging ein Traum in Erfüllung!
Nach der langen Fahrt auf dem Amazonas lag noch ein ca. 10 minütiger Fußmarsch zur Botanical Lodge vor uns. Diese empfehlenswerte Lodge liegt umgeben vom Regenwald an einem kleinen Flüsschen, das in der Trockenzeit so gut wie ausgetrocknet ist, in der Regenzeit aber bis an das Haupthaus der Lodge reicht. Hier stehen alle Häuser auf "Stelzen", damit man in der Regenzeit keine nassen Füße bekommt.
Unser erster Eindruck sollte sich als richtig erweisen: Sehr, sehr freundliches Lodge Personal, ein kompetenter und lustiger Guide und einfache, aber zweckmäßige Unterkünfte. Vollpension umfasst Frühstück, Mittag und Abendessen, das von der Köchin der Lodge alles immer frisch zubereitet wird. Außerdem dürfen die Gäste der Lodge jederzeit das Trinkwasser im Haupthaus trinken. In der Bar, die bei Bedarf öffnet, gibt es neben Pisco Sour auch Anaconda Sour, Piranha Sour und andere exotische Mixgetränke. ;)
Strom gibt es nur in der Zeit von 18:00 bis 22:00 Uhr; mit einem Generatorausfall muss gerechnet werden. Das Wasser ist lauwarm bis frisch, da es aus dem Fluss vor der Lodge in die Cabañas gepumpt wird.

Unsere fünf Tage in der Lodge waren mit vielen Aktivitäten angefüllt. Gleich am Nachmittag des ersten Tages machten wir uns auf den Weg zu den Yaguas, einer indigenen Volksgruppe in diesem Teil des Regenwaldes. Nach einem Fußmarsch von ca. 30 min (mit Donnergrollen im Hintergrund und schwülwarmen Temperaturen) erreichten wir einen Platz, auf dem die Yaguas schon auf uns warteten. Nach ein paar traditionellen Tänzen durften wir uns am Blasrohr versuchen und am Ende natürlich auch noch Schmuck und anderes Kunsthandwerk kaufen. Mir machte das natürlich Spaß, vor allem weil die Ketten aus Pflanzensamen und Nüssen sehr schön waren. Aber manch einer würde sich sicherlich über das "Touriprogramm" beschweren. Aber die Regenwaldbewohner müssen auch Geld verdienen...
Da wir in der Trockenzeit im Regenwald waren, gab es nicht so viele Moskitos. Aber die, die uns ab 18 Uhr umschwirrten reichten auch schon. Außerdem gibt es auch noch andere stechende Insekten, die einen den ganzen Tag über piesacken, so dass man am besten immer mit dem beißenden, DEED-haltigen Spray "imprägniert" sein sollte.

Ein unvergessliches Erlenis war unsere Wanderung zu einem Lupuna-Baum am 3. Tag unseres Aufenthalts. Um 9 Uhr trafen wir uns und wanderten ca. 1 bis 1,5 h in den Regenwald hinein. Unser Guide Pedro mit der Machete voraus und wir wie die kleinen Kinder mit großen Augen hinterher. Der Regenwald ist so dicht und so vielgestaltig ... aber allein wären wir verloren gewesen. Die Lupuna ist ein 40 m hoher Baum, besitzt einen Durchmesser von 12 m und ist ca. 400 Jahre alt! Erst kurz bevor wir vor diesem mächtigen Baum standen, erblickten wir ihn zwischen all dem Dickicht. Früher gab es in dem Wald viel mehr Lupunas, aber leider wurde viele abgeholzt. Eine Wanderung durch den Regenwald kann ich jedem empfehlen, aber unbedingt viel Wasser zum Trinken mitnehmen, denn man schwitzt unbeschreiblich viel...
Und noch ein paar gute Tipps von Pedro, wenn ihr mal allein im Dschungel verloren seid:
1) mit eurer Machete an eine große Brettwurzel schlagen (mit der stumpfen Seite der Machete), denn das dröhnt durch den ganzen Regenwald
2) wenn ihr vom Jaguar angegriffen werdet, dann versteckt euch zwischen den Brettwurzeln
3) Lianen abschlagen und daraus "Lianensaft" (=Wasser) trinken

Sehr beeindruckend war der Sonnenuntergang über dem Amazonas, den wir nach einer Zuckerrohrschnapsverkostung in einer der "Trapisches" (Zuckerrohrpressen) auf der Heimfahrt zur Lodge erleben durften.
Ein bisschen gruselig war die Nachtwanderung in unmittelbarer Nähe zur Lodge, bei der Pedro an jeder Ecke Taranteln aus ihren Löchern lockte. Wir lebten sozusagen in einem großen Tarantelnnest... :(
Außerdem werde ich mich immer an unseren Bootsausflug zum Río Napo erinnern. Der Napo ist ein Fluss aus Ecuador (ca. 3 Tage Fahrt im Boot) mit einer starken Strömung. Manchmal rutschte mir das Herz schon in die Hose, als ich neben dem Boot ganz schön große "Strudel" sah. Am Río Napo gingen wir kurz an Land, und trafen unter anderem eine Fischerfamilie, deren für die Region typisches Haus keine Wände hatte. Hier sahen wir auch den Urvogel Hoatzin sowie graue und rosa Flußdelfine!
Am 5. und letzten Tag hieß es früh aufstehen, denn gegen Mittag mussten wir in Iquitos auf dem Flughafen sein und davor hatten wir noch viel Programm. Zunächst besuchten wir eine "Affeninsel" in der Nähe der Cumaceba Lodge. Hier lebten verschiedene Äffchen, die gleich angesprungen kamen, an uns hoch kletterten und alles, was nicht niet- und nagelfest war, anfassten, in den Mund steckten und auch gern mitgenommen hätten. Ein paar Früchte, die wir uns für sie eingesteckt hatten, waren im Nu weg. Außerdem lebten hier noch eine Baby-Anaconda, eine Regenbogen Boa Constrictor, Tukane, ein Faultier und eine Schildkröte. Anschließend fuhren wir noch zu einer Paiche-Farm und fütterten die riseigen, gierigen, vom Aussterben bedrohten Paiche-Fische. Und dann war unser einmaliger Aufenthalt im peruanischen Regenwald am Amazonas auch schon vorbei und wir flogen von Iquitos weiter nach Tarapoto.

Tarapoto - Gocta - Kuelap - Leymebamba

Nach fünf wundervollen Tagen verließen wir also das Amazonastiefland und flogen innerhalb von 50 min mit der Fluggesellschaft Star Peru von Iquitos (hier herrschten "normale" 40°C im Schatten) nach Tarapoto. In Tarapoto blieben wir nur eine Nacht. Die Stadt an sich ist nicht sehr hübsch, aber die Landschaft drumherum sah traumhaft aus. Mich erinnerte sie an "Kaffeelandschaft" aus der Werbung. Grüne Hügel, warmes Klima und eine romantische Abendstimmung machten Lust, noch einmal für ein paar Urlaubstage zurückzukehren.

Am 6. Tourtag begaben wir uns auf eine 9-stündige Fahrt von Tarapoto über Moyobamba durch den Bergnebelwald (der wirklich SEHR nebelig war!) und über Pedro Ruiz nach Cocachimba. Wer an Reisekrankheit leidet, wird auf diesen Strecken nicht glücklich... Die Straße war zwar recht gut ausgebaut, aber schlängelte sich in Serpentinen durch den Bergnebelwald.
Die Strapaze war schnell vergessen, als wir abends unsere Zimmer in der herrlichen Gocta Lodge bezogen. Die Zimmer waren sehr groß, hatten ein hübsches Bad mit heißem Wasser und weißen Lilien als Dekoration und ein bequemes Bett mit einer großen, warmen Steppdecke. Das frisch gekochte, typische Essen der Lodge war ebenfalls ein Genuss. Wer im Hotel hingegen TV und WIFI braucht, dem empfehle ich das neue Hotel der peruanischen Kette Casa Andina bei Chachapoyas.
... Und erst der nächste Morgen! Als wir die Vorhänge vor unserer Terrassentür zurückzogen sahen wir ihn: den Gocta Wasserfall, einen der höchsten Wasserfälle der Erde, eingerahmt von Berggipfeln. Eine spektakuläre Kulisse!! Die hartgesottenen unter uns erfrischten sich im Pool (eiskalt!) mit Blick auf die "Cataratas". Die anderen machten es sich schon auf der Hotelterrasse beim reichhaltigen Frühstücksbuffett bequem. Anschließend spazierten wir ins Städtchen um gleich das nächste kleine "Paradies" zu besuchen: Bei Pedro (nicht zu verwechseln mit unserem Guide Pedro aus dem Regenwald) im Garten wuchsen auf engste Raum die exotischsten Früchte: Mangos, Banane, Ananas, Limetten, Orangen, Drachenfrüchte, Zuckerrohr, Kaffee und Coca. Pedro erntete ganz selbstlos hier und da reife Früchte und spendierte sie uns ... lecker und paradiesisch! Am Abend trat noch die Kinderfußballmannschaft von Cocachimba gegen die deutsche Selektion an und wurde mit einer runde Inka Kola für ihren Einsatz belohnt.

Für den nächsten Tag galt: "Je früher, desto besser", denn für die Wanderung zum Gocta Wasserfall sollte man (je nach Laufgeschwindigkeit und Interessen) 6 bis 7 h einplanen. Zusammen mit einem lokalen Guide (das war in unserem Fall der geduldige Pedro) wanderten wir auf einem holprigen Weg durch den Bergnebelwald. Die Wanderung ist nicht sehr anspruchsvoll (auf ca. 1.800 m bleibt einem auch noch nicht die Luft weg), aber wenn die Sonne vom Himmel "herunterknallt", zieht sich der Weg doch etwas. Die spektakulären Blick auf den ca. 771 m hohen Wasserfall entschädigen für die Anstrengung. Um im Becken unterhalb des Wasserfalls zu baden, war es zu kalt. Dafür sahen wir eine grüne (giftige) Schlange! Achtung, hier gibt es lästige Sandfliegen und es sind vergleichsweise viele Touristen unterwegs (wobei es im Vergleich zu den Zielen in Südperu immer noch sehr wenige sind).

Ein weiteres Highlight Peru's befindet sich in dieser Region: die Festung von Kuelap (3.100 m). Die Fahrt von Cocachimba nach Kuelap dauerte ca. 3 h und ist nichts für zartbesaitete Seelen. Wer unter Höhenangst und Reisekrankheit leidet, wird auf der schmalen Serpentinenstraße mit steilen Abhängen und ohne Leitplanken nicht glücklich. Unser zuverlässiger Fahrer Elmer versicherte uns, dass es noch nicht schlimm sei und erst am folgenden Reisetag wirklich abenteuerlich werden sollte...
Unser Guide nahm sich den jungen, ortskundigen Lenin (! - wir trafen später noch Stalim mit "m" sowie Roosevelt, Winston und Dixon) zur Seite und führte uns durch die beeindruckende Festung von Kuelap. Die exponierte Lage (Sonnencreme nicht vergessen!) der Ausgrabungsstätte und der Blick über die Andengipfel war mal wieder atemberaubend! Auch die Konstruktion an sich, die vermutlich aus mehr Steinen als die Pyramide von Giza besteht, ist imposant. Die Chachapoyas, die Kuélap zwischen 900 bis 1.110 n.Chr. gebaut hatten, galten als tapferes und kriegerisches Volk, das immer wieder gegen die Inka aufbegehrte. Das 700 m lange Bauwerk kann nur durch zwei schmale Zugänge in der 12 m hohen Außenmauer betreten werden. Die Rundbauten im Festungsgelände waren mit typischen Steinfriesen verziert. Hier sollen einmal bis zu 3.500 Menschen gelebt haben! Oft heißt es, dass Kuélap beeindruckender als Machu Picchu ist. Ich finde den Norden Peru's insgesamt auf alle Fälle mindestens genauso schön wie den Süden, aber Kueláp fand ich ehrlich gesagt nicht besser als Machu Picchu. Vielleicht lag das aber auch an unserem Guide...
Nach einem vorzüglichen Mittagessen (Forelle) in einem der Gasthäuser auf dem Weg nach Kuelap fuhren wir ca. 3 h bis Leymebamba und bezogen unser Zimmer im urigen Hotel La Casona. Wer hier absteigt, sollte sich die schöne Küche des "Herbergvaters" anschauen und sich von ihm seine Orchideenzucht erklären lassen. Frühstück gibt es im kolonialen Innenhof des Hotels - besser warm anziehen und auf die Kolibris achten!

Leymebamba ist eine hübsche Kleinstadt mit kleinen Gassen und alten Kolonialhäusern. Auf der Plaza de Armas treffen sich die Einheimischen als wir da waren, gab es gerade einen Matrazenverkauf und in allen Hauseingangen verschwanden die Leymebambeños mit 1 - 2 Matrazen. Die Hauptattraktion des Städtchens ist das "Museo de Leymebamba", in dem nicht nur über die Kultur der Chachapoyas informiert wird, sondern wo auch die Mumien der "Laguna de los Cóndores" ausgestellt werden. Die vielen Mumienbündel, die in einem klimatisierten Raum sicher aufbewahrt werden, geben ein seltsam faszinierendes und auch ein bisschen trauriges Bild ab.

Nach dem Museumsbesuch stand die abenteuerlichste Fahrt der ganzen Reise vor uns! Zunächst begann es harmlos. Wir fuhren an Viehweiden vorbei auf 3.600 m hoch. Der Gegensatz zwischen der grünen, fast "lieblichen" Landschaft auf der einen und den kargen, schroffen Felsformationen auf der anderen Seite des Passes war krass. Vom Mirador "Barro Negro", auch "Calla Calla" genannt, blickten wir auf die unzähligen Andengrate hinab. Wo sollte unser Ziel Cajamarca liegen und wie sollten wir dorthin gelangen?
Es ging erst einmal auf 900 m runter. Dabei begegnten wir auf der Schotterpiste (natürlich wieder mit zahlreichen Spitzkehren und ohne Leitplanken) zwei rasenden Bussen und mehreren LKWs. Während uns die Knie schlotterten (einer in unserer Gruppe verlor seine Flugangst, denn es erschien ihm viel wahrscheinlicher hier einen steilen Abhang hinunter zu kullern als in einem modernen Flieger der Lufthansa abzustürzen) bewahrte unser Fahrer Elmer Ruhe.
Am Río Marañon war es sehr warm und in dem fruchtbaren Flusstal wuchsen Mango, Avocados und Erdnüsse. Obwohl wir Hunger hatten, sollten wir hier nicht lange halten, denn hier in Balsas - mitten in den Anden - existiert Malaria. Jenseits des Marañons wurde die Vegetation noch einmal ganz anders: an den trockenen Andenhängen wuchsen Kakteen! Wir fuhren also wieder nach oben, machten in Limon im Trockenwald Mittagspause (und probierten Trockenfleisch) und fuhren dann weiter nach Celendín. In Celendín werden "Sombreros de Paja" hergestellt, die dann in Cajamarca verkauft werden und die die Einheimischen auch wirklich noch aufsetzen. Wir hatten nun wirklich die Nase von den vielen Serpentinen voll und freuten uns über die einbrechende Dunkelheit ("was ich nicht weiß = sehe, macht mich nicht heiß" und dann später über die asphaltierte Straße. Insgesamt waren wir 8 bis 9 Stunden unterwegs plus 1 h Mittagessen. Also kamen wir kaputt in Cajamarca in unserem Hotel Cumbe Inn an.

Cajamarca

Cajamarca war einst eine wichtige Siedlung der Inkas, wo der letzte Inka-Herrscher Atahualpa von den Spaniern gefangen genommen wurde, und ist heute eine Goldgräberstadt. Vom internationalen Tourismus ist die hübsche Stadt auf ca. 2.750 m noch nicht entdeckt worden. Dabei gibt es nicht nur das "Cuarto del Rescate" (das Lösegeldzimmer, das Atahualpa mit Gold füllen ließ) und die Kirchen mit dem "Mestizenbarock", sondern auch die Thermalbäder "Baños del Inca" außerhalb der Stadt. Cumbemayo ist ebenfalls einen Besuch wert, denn hier weht zwischen den kuriosen Felsformationen wunderbar frische Luft und es ist ganz still. Hier befindet sich außerdem ein schnurgerader Wasserlauf, der noch aus der Zeit vor den Inkas stammt. Zum Teil ist er in Stein gehauen - schnurgerade und mit rechten Winkeln! Nur die Anfahrt nach Cumbe Mayo - ca. 45 min auf einer schrecklichen, staubigen Geröllpiste - war nicht gut.
In Cajamarca entdeckten wir eine schöne Konditorei mit leckerem Kaffee und einem riesigen Angebot an verführerischen Torten und Kuchen. Außerdem gibt es ein oder zwei exklusive Artesaníaläden mit schicken Teppichen, Kissenbezügen und Taschen. In Cajamarca wird zwar im Gegensatz zum peruanischen Süden weniger Alpakawolle, sondern eher Schafswolle verarbeitet, aber die Kreationen sind trotzdem wunderbar.
Die Goldminen in der Nähe der Stadt (Yanacocha ist die größte) haben leider nicht nur für Reichtum gesorgt, sondern sind wegen schlimmer Umweltverschmutzung schon mehrfach in die Schlagzeilen gekommen. Außerdem ist das Wasser in der Stadt aufgrund des schnellen Bevölkerungszuwachses knapp. Die Hotels haben zwar Wassertanks, trotzdem kann die Dusche auch mal trocken bleiben...

An unserem 12. Tourtag fuhr abends um 22:30 Uhr unser Nachtbus (Línea) nach Trujillo ab. Gegen 5 Uhr am nächsten Morgen erreichten wir Trujillo.

Trujillo

Frühs um 5 Uhr bezogen wir das Hotel El Recreo, nicht weit von der Fußgängerzone Trujillos entfernt. Das Hotel ist modern, nur die Zimmer sind verhältnismäßig klein. Trujillo selbst war ein großer Gegensatz zu den anderen Städten während unserer Peru Rundreise. Sehr sauber, gut erhaltene große Kolonialhäuser - wir sahen, dass Trujillo auf alle Fälle zu den reicheren Städten Peru's gehört. Aber neben der schönen Innenstadt hat Trujillo bzw. das Department La Libertad noch viel atemberaubendere Attraktionen zu bieten.
Am besten gefiel mir unser erster Ausflug zu den Pyramiden Huaca de la Luna und Huaca del Sol (Mond- und Sonnenpyramide), ca. 20 min von der Innenstadt entfernt. Beide wurden von der Kultur der Moche bis ca. 600 n.Chr. aus unzähligen Lehmziegeln errichtet. Die riesige Huaca del Sol darf derzeit nicht betreten werden. Forscher erwarten noch wichtige Funde und Erkenntnisse über die Prä-Inka-Kultur der Moche; die Ausgrabungsarbeiten sind in vollem Gange. In der Huaca de la Luna kann man jedoch faszinierende Räume, die mit rätselhaften Friesen ausgestaltet sind, besichtigen. Die verschiedenen Räume wurden nach einiger Zeit mit Lehmziegeln aufgefüllt und eine neue "Schicht" über die Pyramide gebaut. Die Friese der verschiedenen Epochen sind bis heute in leuchtenden Farben erhalten. Eine Augenweide! Mit unserem ausgesprochen gut informiertern Guide Luis besuchten wir außerdem das "Museo del Sitio" mit wunderschönen Keramiken der Moche. Achtung, die Museen schließen hier schon sehr früh, gegen 16 - 17 Uhr. Montags ist wie bei uns ebenfalls geschlossen. Die Museen sind meist sehr modern und interessant gestaltet - wir hätten noch viel länger bleiben können um uns die kleinen Kunstwerke genauer anzuschauen.

Auch der nächste Tag hielt für uns phänomenale Kulturschätze, die in der Welt noch gar nicht so bekannt sind, bereit. Zunächst besuchten wir die Huaca Arco Iris (ca. 15 min Fahrt von der Innenstadt), ein weiterer Lehmziegelbau, diesmal jedoch von der Kultur der Chimú und schätzungsweise aus dem 12. Jahrhundert n.Chr. Die Wände der Pyramide sind mit Friesen ausgestaltet, die meist einen Regenbogen - damals vermutlich ein Fruchtbarkeitssysmbol - darstellen. Von der oberen Plattform der Pyramide sieht man einige Huacas im Stadtgebiet Trujillos liegen.
Anschließend fuhren wir in die riesige und berühmte Lehmziegelstadt Chan Chan. Sie wurde ca. 1300 n.Chr. errichtet und umschließt eine ca. 26 qkm große Fläche (heute befinden sich darauf Wohnhäuser - nur ein Teil des ursprünglichen Chan Chans ist noch erhalten). Als Tourist besichtigt man den Tschudi-Komplex, einer der Stadtteile der Lehmziegelstadt. Die Ausmaße der Chimú-Stadt, die einst schätzungsweise 60.000 Menschen beherbergte, sind unbegreiflich. Lange gerade Wände mit Friesen dekoriert wechseln sich mit unzähligen kleinen Kammern ab. An einigen Stellen kann man von oben einen Blick auf den Komplex erhaschen. Leider sind viele der alten Wände inzwischen sehr verwittert. Zum Teil haben die Archälogen die alten Friese nachgebildet, damit man die einstige Pracht des UNSECO Weltkulturerbes nachvollziehen kann.
Achtung - nicht den Sonnenschutz und Trinkwasser vergessen. Der graue Küstennebel klart auch mal auf und dann knallt die Sonne in der trockenen Gegend.
Nach dem Besuch Chan Chans bietet sich der Abstecher zum Pazifik, nach Huanchaco, an. Hier kann man bei einer lauen Meeresbrise entspannen, in den guten Fischlokalen frisch gefangenen Fisch essen und den Fischern auf den "Caballitos de Totora" (traditionelle Boote aus Schilf, die entfernt an Surfbretter erinnern) beim Fischfang zusehen.

An unserem letzten Tag in Trujillo besuchten wir spontan die Ausgrabungsstätte "Huaca el Brujo" (ca. 1,5 h von Trujillo entfernt, Fahrt über eine elende Holperpiste), eine Hinterlassenschaft der Moche-Kultur.
Achtung - wir buchten die Tour "auf der Straße". Hier kann man etwas Pech haben: Der Kleinbus war sehr klapprig und die Tour schlecht organisiert (wir gondelten ca. 1 h durch die Stadt zu verschiedenen Hotels ehe es endlich losging). Vor Ort heuerte unser Guide dann einen anderen Guide aus dem Museum an, der dann auch sehr gut war. Es ist aber empfehlenswert, die Touren bei einer vertrauenswürdigen Agentur (bei MIO TOURS ;) ) vorzubuchen...
Und noch einmal sollten wir aus dem Staunen nicht herauskommen. Der Komplex besteht aus der Huaca Prieta, der Huaca el Brujo und der Huaca Cao. Die Pyramide Huaca Cao, die begangen werden kann, ist zwar nicht so beeindruckend wie die Huaca de la Luna. Dafür ist das kleine, moderne Museum umso schöner. Darin befinden sich die Schätze der "Señora de Cao". Bei der Señora de Cao handelt es sich um eine Moche-Herrscherin - ein beeindruckender Fund, weil er zeigt, dass auch Frauen in der prä-Inka-Kultur eine wichtige religiöse und politische Rolle übernehmen konnten. Ihre Mumie ist sehr gut erhalten und kann im Museum angeschaut werden. Außerdem wurden ihrem Grab wunderschöne Schmuckstücke beigelegt. Es sind zwar zahlenmäßig nicht so viele wie bei dem bekannten Señor de Sipan in Chiclayo, aber in ihrer Qualität weitaus filigraner und feiner...

Wer hätte gedacht, dass der Norden Peru's solch einzigartigen und spektakulären Ausgrabungsstätte und Artefakte zu bieten hat? Und wieso weiß "die Welt" noch nichts davon und will in Peru nur Machu Picchu besuchen??

Mit diesen Fragen im Hinterkopf machten wir uns auf den Weg nach Chiclayo, wo uns abermalls einzigartige Kulturschätze erwarten sollten...

Chiclayo

Die Fahrt von Trujillo nach Chiclayo ist keine Augenweide... kurz hinter Trujillo sieht man zuerst unzählige Hühnerfarmen (mir verging der Appetit auf "Pollo a la Brasa"), dann Zuckerrohr-Monokulturen und anschließend öde graue Straßenränder, an denen sich Müll- und Schuttberge häufen. Hier hat Peru bzw. die Departmentos des Nordens noch einiges an "Aufräumarbeiten" zu leisten um die Gegend lebenswerter und touristisch attraktiver zu machen. Die bizarre Küstenlandschaft an sich ist ja sehr interessant. Unser Economy-Bus, in dem die obligatorischen Action-Filme gezeigt wurden, machte in jeder kleinen Stadt Halt und brauchte deswegen statt 2 gleich 4 h. Also - keine Economy-Busse zwischen Chiclayo und Trujillo nehmen!

Unser Hotel El Paraíso sah in der Lobby sehr vielversprechend aus. Allerdings hatten wir mit unserem Zimmer nicht ganz so viel Glück... Mitten in der Nacht schallten mit einmal traurige Boleros aus einem Restaurant in der Nähe in unser Zimmer. Ich fand es eher komisch und konnte bald wieder einschlafen. Aber eigentlich ist es sehr ärgerlich... Außerdem sprach uns an einem Abend auf dem Nachhauseweg die Polizei an und meinte, dass das Viertel in der Dunkelheit nicht so sicher ist. Das ist derzeit noch ein Nachteil bei Reisen nach Chiclayo. so geschichtsträchtig und großartig die Umgebung der Stadt auch ist, an touristischer Infrastruktur mangelt es hier und da noch etwas.
Aber das nur am Rande, denn gleich nachmittags besuchten wir das Museo Tumbas Reales de Sipán in der Nachbarstadt Lambayeque. Einen so großen und prächtigen Schatz wie den des Señor de Sipan habe ich noch nie gesehen! Wir sahen die schönsten Ketten, edelsten Ohrpflöcke, goldene Armreifen usw. des Moche-Herrschers. Auch die Grabbeigaben eines "sacerdote" (Priesters) waren prächtig. Außerdem wurde das Grab des Señors nachgebildet und viel über die Kultur der Moche und Lambayeque erklärt. Insgesamt ein modernes und sehr informatives Museum.

Der nächste Tag in Chiclayo war auch gleichzeitig unser letzter gemeinsamer Reisetag in Peru. Wir besichtigten frühs das "Museo del Sitio Huaca Rajada Sipán", das erst 2009 eröffnet wurde und neuere Funde aus den Königsgräbern der Huaca Rajada zeigt. Allein dieses kleine Museum beherbergte wieder eine unglaubliche Vielzahl an Keramiken und Edelmetalschätzen.
Anschließend fuhren wir noch zur Huaca Rajada, wo der Señor de Sipan Ende der 80er Jahre gefunden wurde. Wer Zeit hat, sollte sich die spannende Entdeckungsgeschichte des Grabs des Señor de Sipan anhören, die Pyramiden an sich sind jedoch nicht unbedingt ein Muss.
Während ein Teil unserer Gruppe zum Flughafen von Chiclayo gebracht wurde und die Heimreise nach Deutschland antrat, besuchten wir noch Túcume (Valle de las Pirámides = Tal der Pyramiden). Die Stätte liegt ungefähr 45 min von Chiclayo entfernt. Es ist ein riesiges Areal (ca. 200 ha groß) auf dem 26 große Pyramiden und unzählige kleine Bauwerke stehen. Die Pyramiden sehen inzwischen "skurril" aus, denn die Lehmziegelbauten sind durch Umwelteinflüsse stark erodiert. Vom Cerro Purgatorio, einem Hügel in der Mitte des Areals, hat man einen tollen Blick über das Pyramidental, den Trockenwald und sieht auch in der Ferne weitere Huacas (zum Beispiel die Pyramide, in der der Señor de Sican gefunden wurde). Die Pyramiden von Tucumé sind übrigens inzwischen umzäunt und (mehr schlecht als recht) bewacht, denn viele "Hexenmeister" aus Chiclayo und Umgebung (hier ist Magie ein Teil des Alltags) möchten auf dem Gelände Zeremonien abhalten oder zumindest Stücke der Pyramiden für ihre magischen Rituale verwenden.

So beeindruckend die Ausgrabungsstätten bei Trujillo und Chiclayo sind (Archäologie- und Geschichtsfreunde können hier gut und gerne 2 Wochen verbringen), so stimmten wir doch darin überein, dass wir erst einmal keine Museen und Ausgrabungsstätten mehr besuchen müssen. Die beeindruckenden Funde mussten erst einmal verdaut werden.

So setzten wir uns nachts um 2:00 Uhr auf den Busbahnhof in Chiclayo um die letzte Etappe unserer Reise anzutreten.

Ecuador

Mit zweistündiger Verspätung kam der Bus von Ormeño in Chiclayo an... und schuckelte uns in +/- 14 Stunden bis nach Guayaquil in Ecuador. Hätten wir das vorher gewusst. Na gut, aber es war eine Erfahrung wert. Wir kamen in Mancora, dem populären Bade- und Surfort im Norden Peru's vorbei. Die Strände zwischen Máncora und Tumbes gefielen mir aber (so aus dem Busfenster heraus) noch besser. Auch hier gab es vereinzelt niedliche Cabaña-Anlagen. Die Nordstrände zwischen Piura und Tumbes möchte ich auf alle Fälle noch einmal in Ruhe erkunden, vielleicht ja mit dem Mietwagen? Hier ist es jedenfalls das ganze Jahr über warm - wer in Peru Badeurlaub machen möchte, der sollte hierher fahren.
Der Grenzübergang von Peru nach Ecuador war auch entspannt. Unsere Busbegleiterin von Ormeño "nahm uns an die Hand", damit wir keine Ein- und Ausreiseformalitäten vergessen. Wer auf eigene Faust über die Grenze geht, muss sich zuerst in Peru einen Ausreisestempel holen, dann über die Grenze nach Ecuador fahren und sich dort einen Einreisestempel holen. Die Gebäude sind von außen nicht unbedingt gleich zu erkennen, aber Taxifahrer wissen auch Bescheid. Zuletzt mussten wir noch beim Zoll von Ecuador anhalten, aber zum Glück wollten Sie meinen Koffer - den sie sich für die Kontrolle ausgesucht hatten - nicht weiter anschauen.
Der Kontrast zwischen Ecuador und Peru war schon recht krass. In Peru war der Küstenstreifen sehr trocken und karg, die Behausungen und auch die Grenzstadt Aguas Verdes sehr arm. In der ecuadorianischen Grenzstadt Huaquillas hatte die Regierung viel investiert und Einkaufscenter und Parkanlagen geschaffen. In Ecuador wird die Landschaft dann auch bald sehr grün. Bei Machala gibt es riesige Bananenplantagen - nicht umsonst war Ecuador einst "Exportweltmeister" von Bananen. Die größte Stadt Ecuadors, Guayaquil, erreichten wir erst bei einbrechender Dunkelheit. Ein Taxi brachte uns schnell zu unserer ersten "Oase" in Ecuador, dem Grand Hotel in Guayaquil. Nicht nur die Zimmer waren groß und komfortabel eingerichtet. Das Hotel besitzt auch einen schönen Pool, den man bei den tropischen Temperaturen in Guayaquil jederzeit nutzen kann, einen Fitnessraum und befindet sich an der Rückseite der Kathedrale. Wir bummelten noch auf dem Malecón 2000, der modernen Uferpromenade an dem breiten Guayas, und ließen uns die frischen Meeresfrüchte schmecken. Guayaquil ist viel schöner als gedacht. Die moderne Innenstadt ist sehr sauber und sicher. Der Cerro Santa Ana mit den bunten Häuschen und der schicke Malecón auf alle Fälle einen Besuch wert. Von den normalen Wohnvierteln haben wir natürlich in der kurzen Zeit nichts gesehen. Aber Guayaquil gilt ja als gefährlichste Stadt Ecuadors...

Von Guayaquil ging es am folgenden Tag weiter - nicht ohne uns vorher an dem leckeren und reichhaltigen Frühstücksbuffet im Grand Hotel satt gegessen zu haben ;) - in die hübsche Andenstadt Cuenca. Der Kontrast, diesmal klimatisch, war wieder extrem. In Guayaquil auf Meereshöhe schwitzten wir so vor uns hin, dann fuhren wir innerhalb kurzer Zeit in frostige Höhen auf über 3000 m in den El Cajas Nationalpark. Hier wehte ein eisiges Lüftchen (vielleicht 10°C) und das Atmen viel schwerer. Selbst das Auto unseres Fahrers verlor merklich an Leistung. Aber El Cajas mit seiner bewegten Landschaft und den unzähligen Seen sah wunderschön aus. Hier kann man abwechslungsreiche Wanderungen unternehmen. Nachmittags erreichten wir Cuenca, bezogen schnell unser schmuckes Hotel Victoria und fuhren dann nur zur Panama Hut-Fabrik von Homero Ortega. Unsere Museumsführerin konnte sogar ein bisschen deutsch und nach der interessanten Führung konnten wir dem schicken Angebot von Ortega natürlich nicht widerstehen.
Wer es noch nicht weiß: Der Panama Hut kommt ursprünglich aus Ecuador! Hier wurde der "Sombrero de Paja" in der Stadt Jipijapa hergestellt. Um gegen Arbeitslosigkeit vorzugehen, wurde das Panama Hut-Geschäft jedoch nach Cuenca geholt und hier kann man sich heute die traditionsreichen Werkstätten anschauen und Panama Hüte von klassisch bis extravagant kaufen.

Abends treffen sich Einheimische und "Gringos" im Restaurant Raymipampa direkt neben der Kathedrale, zum Teil muss man sogar auf einen Tisch warten. Die Innenstadt Cuencas bei Nacht ist jedenfalls schön anzusehen. Morgens schlenderten wir noch über verschiedene Märkte und eine bunte Markthalle, bestaunten die prächtigen Mamorbauten und fühlten uns in der riesigen neuen Kathedrale wie kleine Ameisen. Cuenca ist eine sehr reiche und schicke Stadt - unserer Fahrer erklärte uns, das viele Ecuadorianer aus der Region in die USA ausgewandert sind. Das hat dem Süden Ecuadors viel Reichtum gebracht, aber bringt auch Probleme mit sich. So stehen viele der großen Häuser im Umland von Cuenca leer. Die Migranten träumen zwar davon, nach Ecuador zurückzukehren und können sich einen große "Palast" leisten, allerdings kommen sie dann meist doch nur zum Urlaub zurück. Noch trauriger ist, dass Eltern zum Teil ihre kleinen Kinder wegen der Auswanderung in Ecuador zurück gelassen haben (die große Auswanderungswelle "schwabte" in den 90ern aus Ecuador nach Spanien und die in die USA). Sie wachsen jetzt bei ihren Großeltern oder Tanten und Onkels auf.

Wir besichtigten noch das Kunsthandwerkerdorf Chordeleg, das für seine Gold- und Silberschmiede bekannt ist. Allerdings lohnt sich ein Besuch der Kunsthandwerkerdörfer bei Cuenca (es gibt noch Sigsig und Gualaceo) wahrscheinlich nur zu den Sonntagsmärkten richtig. Auf der Fahrt von Cuenca nach Riobamba kann man außerdem noch die Inka-Anlage Ingapirca besichtigen (da wir schon die großartigen Inka-Stätten aus Peru kennen, verzichteten wir) oder - wer Zeit mitbringt und früh startet - mit der Schmalspurbahn im Zickzack-Kurs zur Teufelsnase fahren. Leider hingen die ecuadorianischen Anden in Wolken und so sahen wir selbst von den Bahngleisen bei Alausí wenig von der spektakulären Route. Doch kurz bevor wir in Riobamba eintrafen, rissen die Wolken auf und ermöglichten uns einen Blick auf den mächtigen Chimborazo. Der riesige Vulkan mit Schneehaube glänzte majestätisch in der Abendsonne und wir waren mit dem schlechten (wolkigen) Wetter versöhnt... Leider überkam mich nach 5 Wochen auf Achse "Reisemüdigkeit", die sich in Fieber und Gliederschmerzen äußerte. Da konnte auch die wunderbare, gemütliche Hacienda Abraspungo nichts dran ändern. Aber wohl fühlten wir uns in den hübsch gestalteten Zimmern, dem modernen Bad und den großen, "duftigen" Betten trotzdem... :) Riobamba gilt ja als idealer Ausgangspunkt für Touren auf die umliegenden Berge und Vulkane (Chimborazo, Altar...) und die Hacienda Abraspungo ist das ideale Hotel zum Entspannen und Kräfte sammeln.

Wir fuhren von Riobamba direkt weiter nach Quito um abzuklären, dass ich keine Tropenkrankheit aus dem peruanischen Regenwald oder aus Guayaquil mitgebracht habe (hatte ich auch nicht). Normalerweise bietet sich ein Ausflug zur Edward-Whymper-Schutzhütte am Chimborazo (auf 5.000 m) an, denn das Auto kann man auf 4.800 m stehen lassen. Oder man fährt in den Cotopaxi Nationalpark und dort auf den Parkplatz (4.600 m) unterhalb der Jose-Ribas-Schutzhütte (4.800 m). Leider waren sowohl der Chimborazo als auch der Cotopaxi wolkenverhangen. Auch die anderen Vulkane entlang der berühmten Straße der Vulkane ließen sich nur erahnen.

In Quito bezogen wir das gemütliche Hostal Charles Darwin in einer ruhigen (man hört nur die landenden Flugzeuge, aber das lässt sich in der Neustadt Quitos leider nicht vermeiden) und sicheren Straße im modernen Viertel Mariscal. In Quito hatten wir ja wieder "Familienanschluss" und besuchten in der bunt gemischten Gruppe (neben uns drei deutschen und unseren ecuadorianischen Freunden war gerade auch noch eine gute Freundin aus Japan zu Besuch in Quito) Cayambe (hier unbedingt Salzcracker und Käse zum zweiten Frühstück probieren!), den großen Kunsthandwerkermarkt von Otavalo und die Laguna San Pablo mit dem Imbabura-Vulkan. Außerdem besichtigten wir die koloniale Altstadt Quitos bei Nacht, genossen den Ausblick von der geflügelte Virgen (Jungfrau) auf dem Altstadthügel Panecillo, fuhren mit der Teleferico (Seilbahn) auf den Pichincha und schauten uns die entgegengesetzten Wasserstrudel der Nord- und Südhalbkugel in der "Mitad del Mundo" (Mitte der Welt) an. Am Abflugtag statteten wir noch dem Kunsthandwerkermarkt in der Mariscal einen Besuch ab (den südamerikanischen Schmuck gibt es übrigens in unserem Shop zu kaufen) und dann hieß es leider Abschied nehmen...

Als wir über das Rollfeld zum Flugzeug der Avianca gingen, zeigte sich mit einmal der Cotopaxi in seiner ganzen Pracht. So war der Abschied von Ecuador sehr schön.
Und was bleibt? Wunderschöne Erinerungen und der Wunsch, bald nach Ecuador und Peru zurück zu kehren. In Ecuador möchte ich unbedingt Galapagos besuchen, aber mir auch für die Straße der Vulkane mehr Zeit nehmen. In Peru fehlen mir noch der Regenwald bei Puerto Maldonado, Huaraz und Chavin de Huantar, Huancayo und Ayacuho sowie die warmen Nordstrände... Außerdem - so schmalzig es klingt - habe ich ein Stück meines Herzens an Peru und Ecuador verloren...

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